Kitty Hoff: Eine glückliche Melancholikerin

Im Interview verrät Deutschlands Chansonlady Kitty Hoff erstmals Details aus Ihrem neuen Album und gibt Einblicke in ihr Privatleben.

21.10

Exklusiv für Stilfetischisten.de von Daniel Philip Schuster

Wie keine andere musikalische Künstlerin im deutschsprachigen Raum schafft es Kitty Hoff, mit poetischen Texten und feinsinnigen Arrangements ihre Hörerschaft in ungeahnten Höhen schweben zu lassen. Im Interview mit Stilfetischisten.de erzählt die mit dem »Lale Andersen Preis« ausgezeichnete Chanteuse allerhand über ihr neues Album, warum sie 1356 Textzettel in der Wohnung liegen hat und welche schöne Alternative es zu den Kommentaren von Dieter Bohlen gibt.

Daniel Schuster: Ich freue mich, dass Sie Zeit für uns gefunden haben. Anfang nächsten Jahres erscheint Ihr neues Album. Auf was können sich die Zuhörer freuen?

Kitty Hoff: Auf einen mit Liebe zum Detail gestrickten Frühlingspulli, der leicht ist und doch schön wärmt und bestimmt nicht kratzt (lacht). Ohne Poesie heißt das: Schöne akustische »JazzChansons« mit Textgeschichten!

Daniel Schuster: Können Sie uns vielleicht schon die ein oder andere Textzeile verraten? Um was wird es in Ihren neuen Liedern gehen?

Kitty Hoff

Kitty Hoff: Es geht wieder recht viel um die Natur, um Skurriles, um Sehnsucht nach Ferne und Nähe und natürlich insgesamt um meine heißgeliebte Sinnfrage. Die Rede wird z.B. sein vom Haus im Waldinmitten der Stadt, von Dingen, die leichter zu verstehen sind, wenn sich Riesenräder dreh’n, von Mahagoni-Aktionen wie: Wir hacken Edelhölzer für ein neues Fundament, von Unterwelten und von einem jungen Mann im weißen Anzug.

Daniel Schuster: Ein junger Mann im weißen Anzug? Was macht er denn mit Ihnen?

Kitty Hoff: Mit mir macht er gar nichts. Mit seinem Leben macht er nicht so richtig viel.

Daniel Schuster: In jungen Jahren wollten Sie noch Psychologin werden, um in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten. In gewisser Weise hat es sogar geklappt: Heute sind Sie bekannt für Ihre hintergründigen Texte und liebevollen Arrangements. Wie viel Psychologie steckt in Ihren Liedern? Und wie viel hat Ihr Vater dazu beigetragen?

Kitty Hoff: Psychologie steckt ja in jedem Gedanken, in jeder Handlung oder Haltung. Also auch in meinen Songs. Psychologische Muster erkennen und sie dann bewusst künstlerisch verwerten kann man als Dipl. Psych.-Tochter dann natürlich leichter.

Daniel Schuster: Über welche Menschen singen Sie in Ihren Liedern? Wer inspiriert Sie zu schwungvollen Stücken und nachdenklichen Zeilen?

Kitty Hoff: Wie oben schon erwähnt geht es z.B. um einen jungen, weltfremden Mann im weißen Anzug – klingt spannend, oder?! Solch eine Song-Figur vereint immer Beobachtungen aus mehreren »echten« Begegnungen. Es sind also immer eher Prototypen als wahre Helden. Nachdenkliche Zeilen schüttle ich relativ unverkrampft aus dem Seelenärmel. Ich bin eine glückliche Melancholikerin!

Kitty Hoff

Daniel Schuster: Wie entsteht ein Kitty-Hoff-Lied überhaupt?

Kitty Hoff: Immer unterschiedlich. Im Moment ist meistens zuerst die Musik da, ich klimpere am Klavier solange, bis mir was gefällt. Dann warte ich, ob schon automatisch Textbilder entstehen. Wenn nicht, krame ich nach einigen meiner 1356 Textzettel – die sind überall in der Wohnung und in Hosentaschen verteilt – und suche nach was Passendem.

Daniel Schuster: Sie vereinen auf Ihren Alben die Aspekte verschiedenster Musikrichtungen, um Ihre Texte formgerecht zu untermalen. Welche Künstler gefallen Ihnen persönlich?

Kitty Hoff: Ich habe tatsächlich einen vielfältigen, wenn auch zahlenmäßig übersichtlichen Musikgeschmack… will heißen: Mir gefallen eher wenige Künstler, die dann aber ganz obersupertoll. Dazu zählt beispielsweise der aktuelle Star des französischen »Nouvelle Chanson«, der Komponist und Sänger Benjamin Biolay mit seiner jüngeren, ebenfalls singenden Schwester Coralie Clément. Übrigens: Mit ihr nehme ich übermorgen ein Duett für mein nächstes Album auf! Superbe!

Kitty Hoff
© Torsten Roman | Kitty Hoff entdeckt Details aus dem Alltag und gibt ihnen die besondere Bedeutung, die ihnen zusteht. Stetig auf der Suche nach neuen Motiven für gehaltvolle Klangbilder.

Außerdem liebe ich die Musik von Johann Sebastian Bach, allen voran die Kantaten. Die erste »Goldfrapp«-Scheibe, »Felt Mountain«, ist ebenfalls ein echter Meilenstein - hochkarätiges Songwriting, ohne »kopfig« oder »trashig« zu sein, ein musikalisches Bilderbuch von epischer Schönheit, wirklich toll!

Ich verehre den österreichischen Kabarettisten, Komponisten und Sänger Georg Kreisler als genialen Sprachästheten mit einer einmaligen Mischung aus Humor und Weltschmerz. Und dann gibt es noch einige andere mehr… Es sind scheinbar doch nicht so wenige, wie ich dachte… Ach so, Eminem finde ich auch cool, also die älteren Sachen… und diesen »8 mile«-Film mit ihm - großartig!

Kitty Hoff

Daniel Schuster: Bereits im 16. Jahrhundert fanden die Leute Gefallen am Chanson. Aktuell habe ich das Gefühl, dass die Beliebtheit wieder massiv zunimmt. Warum wird diese Art der musikalischen Untermalung, samt einigen ähnlichen Genres, im heutigen Zeitalter immer beliebter?

Kitty Hoff: Es ist akustisch, also ehrlich und handgemacht und erzählt Geschichten. Anscheinend wollen die Leute wieder echte Geschichten. Songs ohne Inhalt gibt es ja schon genug.

Daniel Schuster: Hat sich die Kunstrichtung »Musik« im Laufe der Zeit verbessert? War es nicht schöner, nur mit einer Laute bewaffnet seiner Liebsten unter dem Balkon eine Liebeserklärung zu singen?

Kitty Hoff: Ich glaube, ich hätte einen Laute zupfenden Liebhaber mit Tomaten beworfen. Diese Art von Romantik ist mir fremd. Musik soll nicht primär einen Zweck erfüllen, also z.B. die Liebste rumzukriegen. Sekundär ist da natürlich nix gegen zu sagen.

Daniel Schuster: Was muss in Ihrer Umgebung passieren, damit Sie einen schönen Text verfassen können? Ein guter Wein? Ein Sonnenuntergang? Ein »Wintermeer«?

Kitty Hoff: Die besten Ideen kommen mir beim Fahrradfahren oder beim Spülen.

Kitty Hoff
© Torsten Roman | Kitty Hoff & Forêt Noire: Beat Lee Burns, Jaques Maintenant, Phil Marone und Lu Ferreiro. Zusammen erklimmen Sie höchste Berge und ungeahnte Tiefen unter Wasser.

Daniel Schuster: Sie müssen zuhause das Geschirr abspülen? Nicht ihr Mann?

Kitty Hoff: Gespült werden bei uns nur die großen Töpfe, den Rest erledigt die Spülmaschine. Aber die Töpfe sind auf jeden Fall mein Metier, eben weil mir beim Topf-Schrubben die besten Einfälle kommen. Da wäre ich ja dumm, das meinem Mann zu überlassen.

Daniel Schuster: Sie haben zwei Kinder zur Welt gebracht, Julius und Rosalie. Wie sieht deren musikalische Entwicklung aus? Kommen sie ganz nach ihrer Mutter?

Kitty Hoff: Woher kennen Sie denn die Vornamen meiner Kinder?!

Daniel Schuster: Wir haben unsere Informanten überall. In Wahrheit nehmen wir schon heimlich eine Platte mit den Beiden auf.

Kitty Hoff: Ja, also natürlich sind sie hochmusikalisch… hoffentlich (lacht). Julius spielt Schlagzeug und Rosalie lernt Klavierspielen. Singen tun beide gerne. Am liebsten Volkslieder mit der Oma.

Daniel Schuster: Volkslieder mit der Oma? Das ist doch mal eine schöne Alternative zu den ganzen Casting-Shows. Würden Sie dem musikalischen Nachwuchs empfehlen, an solchen Sendungen teilzunehmen? Oder wie sollte man sich als junger Musiker heute verhalten? Volkslieder mit der Oma zu singen ist ja schon ein schöner Anfang.

Kitty Hoff: Das muss jeder selbst wissen. Ich finde allerdings »Germany’s Next Topmodel« viel unterhaltsamer als diese »Superstar«-Sendungen. Schminktipps sind doch weitaus wichtiger als Bohlen-Kommentare.

Daniel Schuster: Wenn Sie auf die Vergangenheit zurückblicken: Wie sieht Ihr Resümee der letzten drei Jahre aus? Was hat sich in Ihrem Leben verändert?

Kitty Hoff: Es ist viel passiert, ich habe viel erlebt, es gab tausend schöne Momente, auch einige unangenehme. Und ich habe noch viel vor.

Daniel Schuster: Welche Rolle hat die Musik damals in Ihrem Leben gespielt, und welchen Stellenwert hat sie heute?

Kitty Hoff: Musik war immer eine Heimat für mich. Und ich hänge an dieser Heimat, deshalb halte ich mich gerne dort auf.

Daniel Schuster: Ich danke Ihnen für das Interview und wünsche Ihnen viele schöne Stunden mit Ihrer Familie, an Ihrem Klavier und natürlich mit dem neuen Edelholz-Fundament. Ich freue mich auf das neue Album und drücke Ihnen alle Daumen, die ich in näherer Umgebung auftreiben kann.

Kitty Hoff: Merci für die interessanten Fragen.

Das Interview führte Daniel Philip Schuster

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Verfasst von wallis 2oo8 am 01.11.2008

Tolle Frau, tolles Interview, wat will man mehr. Natürlich weitere Interviews mit interessanten Leuten.
lg wallis 2oo8

Verfasst von Stilfetischisten am 17.04.2009

[...] dass wir uns ein zweites Mal unterhalten dürfen. Und die Voraussetzungen sind ähnlich wie beim letzten Mal: Über die Superstars wird diskutiert, Heidi Klum gibt wieder Schminktipps. So wie sie es das [...]

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